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Digitalisierung: Fluch Oder Segen

Digitalisierung: Fluch oder Segen

Technik wird in Schulen schon lange eingesetzt. Fernsehwagen und Overheadprojektoren finden schon so lange Gebrauch in deutschen Klassenzimmern, dass man sich manchmal fragt, ob der Videorecorder wirklich erst kaputt gehen muss, bevor er durch ein modernes Gerät ersetzt wird.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Schulen seit Jahren auch auf digitale Medien vorbereitet werden sollen und „Tabletklassen“ auf dem Vormarsch sind.

Doch hat der Unterricht mit Tablets nur Vorteile? Oder lauern in ihm auch Gefahren? Ist es nicht viel einfacher für Schüler im Unterricht heimlich eine Runde Hearthstone zu zocken, während der Lehrer denkt, sie lesen gerade Lessings „Irrungen, Wirrungen“?

In einer Gegenrede heißt es, ein Tablet habe keine Augen. Nonverbale Kommunikation sei wichtig um zu erfahren, ob man im Lernen „auf dem richtigen Dampfer“ ist.

Ferner förderten Tablets ein bulimiehaftes Lernverhalten, bei dem Inhalte nicht länger als bis zur Prüfung im Gedächtnis gespeichert, und anschließend wieder vergessen werden würden.

Die sprachliche Entwicklung bliebe zurück und generell würden Schüler besser von Menschen lernen als von Computern.

Aber sind diese Argumente wirklich zu Ende gedacht?

Auch wer ununterbrochen in sein Deutschbuch starrt, wird von der Kommunikation durch Gesten und Mimik seines Lehrers nicht besonders viel mitbekommen, in diesem Punkt unterscheiden sich Tablet und Papier in ihrer Nutzung nicht großartig.

Soll ein Schüler eine Frage des Lehrers beantworten, so bleibt es auch mit einem Computer auf dem Schultisch hoffentlich üblich, diese Antwort mit einem Aufschauen und bei direktem Blickkontakt zu geben, und so auch direktes Feedback zu erfahren.

Ob ein bulimiehaftes Lernverhalten nun am Arbeitsgerät liegt, oder vielleicht eher am sich stetig ändernden, den Schülern auferlegten Arbeitspensum, ist ohne vergleichende Studien wohl nicht herauszufinden, aber „Bulimielernen“ war in Studiengängen mit viel Inhalt schon vor dem Tablet üblich. Wer das nicht glaubt möge einen Mediziner nach seinem Physikum fragen.

Ferner behauptet auch niemand, dass Kinder besser von Computern lernen. Sollen sie auch gar nicht. Der Unterricht wird weiter angeleitet vom Lehrer und, sofern dieser seinem Lehrauftrag nachkommt und die Kinder nicht sich selbst überlässt, sollte auch ihre sprachliche Entwicklung nicht hinten überfallen.

Interessant war die Nennung der Studie „Computers in human behavior“, die Tabletlernen mit einer Waldlerngruppe vergleicht. Ob die Lernerfolge der Studie wirklich auf das Weglassen digitaler Medien zurückzuführen ist, oder eher auf die Entspannung durch frische Luft, Freiraum und Grünpflanzen, die nachweislich Zufriedenheit und Konzentration fördern, sei mangels einer Vergleichsstudie dahingestellt.

Fest steht, und zu diesem Schluss kommt auch Grossarth in seinem Artikel, dass Tablets eine faszinierende Ergänzung zu derzeitigen Werkzeugen bieten, man sich durch sie allein aber keine Wunder vollbringen wird.

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